Frau trifft beim Gassigehen auf Wolf: „Ich habe lange laut geschrien“

„Ich hab lange laut geschrien, aber der saß wie ein Fels“, berichtet eine Frau aus dem Werra-Meißner-Kreis, die beim Spaziergang mit ihrem Hund auf einen Wolf getroffen ist.
Meinhard-Neuerode – Seit dem Frühsommer dieses Jahres haben sich die Anzeichen dafür gehäuft, dass ein oder mehrerer Wölfe rund um die Meinharder Höherdörfer Motzenrode, Hitzelrode und Neuerode im Werra-Meißner-Kreis unterwegs sind. Am Mittwoch (16. Oktober) nun kam es zu einer Auge-in-Auge-Begegnung mit dem Raubtier, und zwar bei Neuerode.
Die Neueröderin Heidemarie Rott hatte den Vormittag lang darauf gehofft, dass sich der Nebel verzieht, damit sie einer Runde mit ihrem Labrador gehen kann. Stattdessen wurde der Nebel immer dicker und sie machte sich gegen 12 Uhr auf den Weg. Vom Dorf aus ging sie auf einem Weg in sie Richtung Deutscher Kopf. „Der Nebel wurde immer dichter, es war unheimlich und ein bisschen wie bei Dracula“, berichtet sie, als ihr Hund plötzlich verharrte und bellte. „Und dann schaute mich aus dem Nebel heraus ein ausgewachsener Wolf an“, schildert sie. Er habe einfach auf Gras auf einer Ackerfläche gesessen, in etwa sechs Metern Entfernung, und sie angeschaut. Es sei wie im Film gewesen. „Ich hab lange laut geschrien, aber der saß wie ein Fels“, berichtet die Frau. Statt des Wolfes traten sie und ihr Hund den Rückzug an, sich immer umschauend, ob er ihr nicht möglicherweise folgt. Trotz der etwas unheimlichen Begegnung will Heidemarie Rott sich von ihren Spaziergängen rund ums Dorf nicht abhalten lassen.
Frau aus Nordhessen trifft auf Wolf – „Ein bisschen wie bei Dracula“
Dafür, dass sich in dem Gebiet der Meinharder Höhendörfer Wölfe unterwegs sind, mehren sich die Anzeichen seit Juni dieses Jahres. Anfang Juni hatte ein Hundespaziergänger an einem Wiesenweg in Neuerode ein frisch gerissenes Reh gefunden. Die beiden Terrier hatten sich damals hartnäckig geweigert, auch nur in die Nähe des Kadavers zu kommen. Damals war der Jagdpächter noch davon ausgegangen, dass wildernde Hunde das Reh gerissen hatten.
Doch unmittelbar häuften sich in der Gegend Sichtungen und Risse. Wenige Tage nach dem Vorfall wurde ein Wolf nahe einer Pferdekoppel bei Neuerode gesichtet, da es außer der Schilderung weder ein Foto noch Fährten gab, konnte die Sichtung nicht verifiziert werden.
Wieder rund eine Woche später, etwa Mitte Juni, wurde ebenfalls bei Neuerode ein gerissenes Rehkitz entdeckt. Damals wurde das Wildtier auch durch einen Rissgutachter des hessischen Wolfsmanagements beprobt. Der Gutachter hielt damals einen Wolf für am Wahrscheinlichsten. Eine Genanalyse ergab aber kein Ergebnis, weil zu viele sogenannte Nachnutzer wie Füchse etc. sich an dem Kadaver zu schaffen gemacht hatten. Das letzte Ereignis, dass auf einen Wolf in der Gegend hindeutet, war Mitte Oktober, als bei Motzenrode der Kadaver ein gerissenes Reh gefunden wurde.
Wolf in Hessen jetzt im Jagdrecht
Erst kürzlich hat das Land Hessen des Wolf ins Jagdrecht aufgenommen, allerdings ohne Jagdzeit. Das heißt, dass der Wolf ganzjährig geschont ist. Eine dauerhafte aktive Regulierung der Wolfspopulation kann aber erst erfolgen, sobald der Bund und die EU, wie angekündigt, den Schutzstatus des Wolfs herabgesetzt haben.
Inzwischen ist auch die Zuständigkeit des hessischen Wolfszentrums vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zum 1. Oktober 2024 zu Hessen Forst mit Sitz in Kassel gewechselt. (Stefanie Salzmann)
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